Evangelisches Krankenhaus Hattingen
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Antibiotika wie Norfloxacin sind Säulen der modernen Medizin. Doch ihr Missbrauch bedroht die globale Gesundheit. Dieser Artikel analysiert Norfloxacin im deutschen Kontext und adressiert häufige Fragen von Patienten und Fachkreisen.
2.1 Klassifizierung und Wirkmechanismus
Norfloxacin gehört zur Fluorchinolon-Klasse und hemmt die DNA-Gyrase von Bakterien, was zur Zerstörung pathogener Erreger führt.
2.2 Klinische Anwendungen
Einsatz bei unkomplizierten Harnwegsinfekten, Prostatitis und gastrointestinalen Infektionen durch empfindliche Keime.
3.1 Gram-negative Erreger
Escherichia coli (häufigster Auslöser von Blasenentzündungen)
Klebsiella pneumoniae
Proteus mirabilis
Salmonella spp.
3.2 Gram-positive Erreger
Staphylococcus saprophyticus
3.3 Resistenzentwicklungen
Diskussion von Plasmid-vermittelten Resistenzen und Kreuzresistenzen zu anderen Fluorchinolonen.
4.1 Pharmakokinetik
Orale Bioverfügbarkeit: 30–40%
Maximale Plasmakonzentration nach 1–2 Stunden.
4.2 Klinische Response
Symptomlinderung innerhalb von 24–48 Stunden.
Vollständige Beseitigung der Infektion nach 3–7 Tagen.
4.3 Warum die Therapie nicht vorzeitig abbrechen?
Risiko von Rezidiven und Resistenzbildung bei unvollständiger Einnahme.
5.1 Dosierung
1 Tablette (400 mg) alle 12 Stunden über 3–7 Tage.
5.2 Einnahmehinweise
Nüchtern oder mit leichtem Essen zur besseren Verträglichkeit.
Vermeidung von Milchprodukten und Antazida (reduzierte Resorption).
5.3 Nebenwirkungen
Gastrointestinale Störungen (10–15% der Fälle).
Selten: Sehnenrisse, neuropathische Schmerzen.
6.1 Rechtslage in Deutschland
Verschreibungspflicht gemäß AMG § 48.
Illegale Online-Apotheken: Strafen bis zu 50.000 €.
6.2 Gefahren der Selbstmedikation
Fehldiagnosen, Maskierung schwerer Erkrankungen.
Fallbeispiel: Patientin mit Pyelonephritis nach unzureichender Norfloxacin-Dosierung.
Dr. Anna Müller, Apothekerin (Berlin):
„Norfloxacin ist ein Reserveantibiotikum. Die rezeptfreie Abgabe untergräbt die Resistenzprävention.“
Prof. Klaus Weber, Infektiologe (München):
„Bei rezidivierenden Zystiten sollte ein Antibiogramm erfolgen, statt blind Norfloxacin zu verwenden.“
Fall 1: 32-jährige Frau mit unkomplizierter Zystitis. Erfolgreiche Therapie mit Norfloxacin über 5 Tage.
Fall 2: 45-jähriger Mann mit Prostatitis. Entwicklung einer C.-diff-Infektion nach unkritischer Langzeitanwendung.
DART 2030-Strategie der Bundesregierung.
Rolle der Apotheken bei der Patientenaufklärung.
Norfloxacin bleibt ein wichtiges Therapeutikum, erfordert jedoch verantwortungsvollen Einsatz. Rezeptpflicht und Fachberatung sind unverzichtbar, um seine Wirksamkeit für kommende Generationen zu erhalten.