Evangelisches Krankenhaus Hattingen
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Oxybutynin ist ein anticholinerges Medikament, das seit Jahrzehnten zur Behandlung von überaktiver Blase (UAB) und Harninkontinenz eingesetzt wird. In Deutschland wird es unter verschiedenen Handelsnamen (z. B. Kentera®, Spasmex®) vertrieben und ist in Form von Tabletten, Retardtabletten und transdermalen Pflastern erhältlich. Aufgrund seiner Verbreitung und der damit verbundenen Fragen zur Verschreibungspflicht, Kostenstruktur und Sicherheit widmet sich dieser Artikel detailliert den wichtigsten Aspekten rund um Oxybutynin. Dabei werden aktuelle rechtliche Rahmenbedingungen, Preisentwicklungen und alternative Therapieoptionen beleuchtet.
Oxybutynin wirkt als Muskarinrezeptor-Antagonist, indem es die glatte Muskulatur der Blase entspannt und so unkontrollierte Kontraktionen reduziert. Es wird primär bei folgenden Indikationen eingesetzt:
Überaktive Blase (Dranginkontinenz)
Neurogene Blasenstörungen (z. B. bei Multipler Sklerose)
Nächtliches Einnässen (Enuresis nocturna)
Darreichungsformen:
Tabletten (5 mg, 10 mg): Standardtherapie, häufig 1–2× täglich.
Retardtabletten: Langsame Freisetzung, reduzierte Nebenwirkungen.
Transdermale Pflaster (Kentera®): Applikation 2× pro Woche, systemische Nebenwirkungen minimiert.
In Deutschland unterliegt Oxybutynin der Verschreibungspflicht gemäß § 48 AMG (Arzneimittelgesetz). Dies gilt für alle Darreichungsformen, einschließlich:
Oxybutynin 5 mg Tabletten
Kentera® Pflaster (Oxybutynin-Pflaster)
Retardformulierungen
Begründung: Aufgrund potenzieller Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Tachykardie und kognitiver Beeinträchtigungen (insbesondere bei Älteren) ist eine ärztliche Überwachung obligatorisch.
Die Frage „Kann ich Oxybutynin rezeptfrei bekommen?“ wird häufig in Online-Foren gestellt. Fakt ist:
Nein, Oxybutynin ist nicht rezeptfrei erhältlich.
Online-Apotheken, die Oxybutynin ohne Rezept anbieten, handeln illegal und gefährden die Patientensicherheit (siehe Abschnitt 5: Sicherheitsrisiken).
Ausnahme: Das Medikament Spasmex® (Trospiumchlorid), ein alternatives Anticholinergikum, ist in niedriger Dosierung (20 mg) rezeptfrei erhältlich.
Die Kosten für Oxybutynin variieren je nach Darreichung und Packungsgröße:
Produkt | Packungsgröße | Preis (€) |
---|---|---|
Oxybutynin 5 mg Tabletten | 50 Stück | 35–45 |
Kentera® Pflaster | 8 Stück | 120–150 |
Amodip 1,25 mg Tabletten | 30 Stück | 25–30 |
Hinweis: Amodip® (Amlodipin) ist ein Kalziumkanalblocker zur Blutdrucksenkung und kein Oxybutynin-Analogon. Die Verwechslung der Namen ist ein häufiger Fehler!
Tabletten (5 mg, 2× täglich): 60 Tabletten ≈ 45–55 €
Kentera® Pflaster: 8 Pflaster ≈ 120–150 €
Die Kosten werden bei Vorlage eines Rezepts von der Krankenkasse übernommen. Bei Selbstzahlern (z. B. bei Off-Label-Use) fallen die vollen Preise an.
Oxybutynin kann folgende Nebenwirkungen auslösen:
Häufig: Mundtrockenheit, Obstipation, Müdigkeit
Selten: Tachykardie, Harnverhalt, Verwirrtheit (bei Älteren)
Risikogruppen:
Patienten mit Engwinkelglaukom
Personen mit Myasthenia gravis
Ältere Patienten (erhöhtes Delir-Risiko)
Studien deuten auf ein erhöhtes Demenzrisiko bei langfristiger Einnahme (>1 Jahr) hin. Eine regelmäßige Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt ist essenziell.
Spasmex® (Trospiumchlorid 20 mg): Einzige rezeptfreie Anticholinergikum-Alternative.
Pflanzliche Präparate: Kürbissamen, Hopfen-Extrakte (Wirksamkeit begrenzt).
Mirabegron (Betmiga®): Beta-3-Adrenozeptor-Agonist, weniger anticholinerge Nebenwirkungen.
Botulinumtoxin-Injektionen: Bei therapieresistenter UAB.
Ja, alle Darreichungsformen sind verschreibungspflichtig.
Amodip® ist ein Blutdruckmedikament und nicht mit Oxybutynin verwandt. Es unterliegt ebenfalls der Verschreibungspflicht.
Kentera® ist rezeptpflichtig. Illegale Online-Anbieter sollten gemieden werden.
Sensibilisieren Sie Patienten für anticholinerge Nebenwirkungen.
Prüfen Sie die Medikation auf Wechselwirkungen (z. B. mit anderen Anticholinergika).
Weisen Sie auf nicht-pharmakologische Maßnahmen hin (Blasentraining, Gewichtsreduktion).
Neue Therapien wie die periphere Magnetstimulation (eXimia®) oder selektivere Anticholinergika könnten Oxybutynin langfristig ersetzen.
Oxybutynin bleibt ein Eckpfeiler der UAB-Therapie, erfordert jedoch sorgfältige Patientenauswahl und Monitoring. Apotheker spielen eine Schlüsselrolle bei der Aufklärung über legale Bezugsquellen, Kosten und Alternativen.